Bürgerhaus Pfarrgasse 20 in Linz mit Stuckrelief „Mariä Himmelfahrt“

Tusche auf Papier, 40×40 cm


Erbaut wurde das Bürgerhaus – vormals Freihaus Garsten bzw. Mondsee – Pfarrgasse 20 in Linz Anfang des 17. Jahrhunderts und besitzt eine barocke Fassade mit Fensterbekrönungen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Auffällig ist eine abgeschrägte Hausecke mit einem überlebensgroßen Stuckrelief „Mariä Himmelfahrt“ von Karl Sterrer aus dem Jahre 1868.

Das Freihaus Garsten bzw. Mondsee wurde bald nach 1600 in großzügiger Geräumigkeit mit bedeutenden Geschoßhöhen errichtet, auch das Portal stammt aus dieser Zeit. Die Fassade ist an drei Seiten gleichartig durch barocke Rahmenfelder gegliedert und mit reichen Fensterverdachungen versehen. Die vermutlich 1729 von Johann Michael Prunner geschaffene Barockfassade beließ die älteren Renaissance-Teile im Erdgeschoss: das Rustikaportal an der Pfarrgasse mit hohen Keilsteinen um 1600, das rustizierte Sockelgeschoss, das nur noch unter dem auf gerillten Polstern sitzenden Eckerkern sichtbar ist. Auch das Grabendach ist erhalten.

1531 verkaufte Rosina Schiffer das Haus an Oswald Wurmb, danach war es im Besitz des Mautbeschauers Georg Steger. 1600 verkaufte der Linzer Stadtschreiber Magister Georg Eysenmann sein Haus an der Oberen Pfarrgasse dem Abt Alexander von Garsten. 1688 ging es in den Besitz von Stift Mondsee über 1729 wurde das Haus vom Stift Mondsee, das als Ersatz das Haus Herrenstraße 7 erworben hatte, an Dr. jur. Gottlieb Ambrosius Reckseysen verkauft. Dieser ließ vermutlich die Neugestaltung der Fassaden durch Johann Michael Prunner durchführen. 1950 wurde das Portal für die „Wachauer Weinstube“ geändert, ein Jahr später die Fassaden an der Pfarrgasse und 1964 an der Domgasse instand gesetzt.

Johann Michael Prunner wurde 1669 in Linz geboren und war ein österreichischer Architekt des Barockzeitalters. Seine Ausbildung erhielt er in Italien. Beeinflusst wurde sein Werk durch Johann Lucas von Hildebrandt, Matthias Steinl und Jakob Prandtauer. Sein Schaffensschwerpunkt lag in Oberösterreich, wo er mehrere Kirchen, Kapellen und Schlösser schuf oder renovierte. Johann Michael Prunner durfte sich noch zu Lebzeiten in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Linz eine Gruftkapelle einrichten und entwarf dazu im Jahr 1736 die Johannes-Nepomuk-Kapelle. Wo sich seine sterblichen Überreste befinden, ist allerdings nicht bekannt.

Karl Sterrer der Ältere, geboren 1844 in Wels, kam aus einer Künstlerfamilie und war ein österreichischer Bildhauer des Historismus. Er lernte zunächst von 1858 bis 1868 bei Ferdinand Scheck in Linz, ehe er nach Wien ging und sich dort 1868–1870 bei Johann Schindler und 1870–1876 bei dem Bildhauer Franz Melnitzky weiterbildete. Karl Sterrer war ein typischer Vertreter der historistischen Kunst und schuf beim Ausbaus der Wiener Ringstraßenzone an diversen Monumentalbauten Figurenschmuck, wobei seine bedeutendsten Arbeiten für das Parlament und die Neue Burg entstanden. 1888 erregte er mit seiner allegorischen Figurengruppe Die Liebe zum Volke ein gewisses Aufsehen, die er nach dem Bilde der Kronprinzessin Stephanie und deren Tochter schuf, und die von Kronprinz Rudolf angekauft wurde. Nachdem staatliche Aufträge mit dem Ende des Ausbaus der Ringstraßenzone ausblieben, musste sich Sterrer in seinen letzten Jahren mit Restaurierungsarbeiten verdingen.

Quellen

Erwin Hainisch, Kurt Woisetschläger: Dehio Oberösterreich. 6. Auflage. Anton Schroll & Co, Wien 1977, S. 184.
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Sterrer_(Bildhauer)
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Michael_Prunner