
Tusche auf Papier, 40×40 cm

Tusche auf Papier, 40×40 cm

Tusche auf Papier & 3mal pixelmatoriert, 40×40 cm
In der bildenden Kunst bezeichnet man mit Mailingen (abgeleitet von Mail Art) künstlerische Arbeiten oder Aktionen, die über den Postweg verbreitet werden. Gemeint sind dabei meist serielle, verschickte Kunstobjekte oder Einladungs- und Aktionssendungen, die bewusst das Medium Post als Teil des Kunstwerks nutzen.
Typische Merkmale von Mailingen in der Kunst sind:
- Versand per Post als integraler Bestandteil des Werks
- Vervielfältigung (z. B. Postkarten, Flyer, Collagen, kleine Objekte, Zines)
- Serieller Charakter statt Unikat
- Oft konzeptuell oder experimentell
- Häufig außerhalb des Kunstmarkts angesiedelt (anti-kommerziell)
- Teilweise interaktiv: Empfänger reagieren, verändern oder schicken etwas zurück
Historisch stehen Mailingen in engem Zusammenhang mit der Mail Art-Bewegung der 1960er/70er Jahre (u. a. Ray Johnson, Fluxus), die sich gegen traditionelle Ausstellungsformen und Institutionen richtete.
Kurz gesagt:
Mailingen sind verschickte Kunstwerke bzw. künstlerische Postaktionen, bei denen der Versand selbst Teil der künstlerischen Aussage ist.
Hier ein paar klassische Beispiele für Mailinge / Mail Art, von historisch prägend bis typisch für die Praxis:
1. Ray Johnson – New York Correspondence School
Der wohl wichtigste Ursprung.
- Verschickte Collagen, Zeichnungen, Texte per Post
- Empfänger sollten die Werke verändern und weiterleiten
- Kommunikation selbst war das Kunstwerk
👉 Prototyp des Mailings als Netzwerk-Kunst
2. Fluxus-Mailings
Künstler wie George Maciunas, Ben Vautier, Yoko Ono
- Versendeten Anweisungen, Objekte, Konzeptkarten
- Oft minimalistisch, ironisch, anti-elitär
- Beispiel: eine Karte mit einer Handlungsanweisung statt eines „Werks“
3. Künstlerische Einladungskarten
Sehr verbreitet in den 1960er/70er Jahren:
- Ausstellungseinladungen als eigenständige Kunstwerke
- Sie fungieren gleichzeitig als Dokument, Objekt und Aktion
- Serienhaft verschickt → klassisches Mailing
4. Mail Art Calls / Open Calls
- Künstler verschicken einen Themenaufruf (z. B. „TIME“, „NOISE“, „MEMORY“)
- Teilnehmende senden Arbeiten per Post zurück
- Alles Eingesandte wird gezeigt, ohne Jury, ohne Verkauf
5. Künstlerzines & kleine Drucksachen
- Gefaltete Hefte, Fotokopien, Stempelarbeiten
- Oft handgemacht, nummeriert, postalisch verteilt
- Grenze zwischen Literatur, Grafik und Objektkunst
6. Gestempelte Umschläge als Kunstwerk
- Umschläge mit Zeichnungen, Überstempelungen, Collagen
- Adresse, Briefmarke, Poststempel werden bewusst integriert
- Der Umschlag selbst ist das Werk
7. Konzeptuelle Serienmailings
- Ein Künstler verschickt über Monate hinweg regelmäßig Post
- Jede Sendung Teil einer zeitlichen oder narrativen Reihe
- Beispiel: monatlich ein Bild, ein Satz, ein Fundstück
Zusammengefasst
Typische Mailinge sind:
- Postkarten
- Umschläge als Objekt
- Serielle Drucksachen
- Einladungen
- Mitmachaktionen
- Konzeptuelle Versandreihen